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(Ernst Jandl)

David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

Worum geht es?

Aus dem Klappentext∗: „Eine siebentägige Luxuskreuzfahrt in der Karibik – David Foster Wallace scheint das große Los gezogen zu haben. Im Auftrag von Harper’s Magazine soll er mit der grandiosen ‚Zenith‘ von Key West aus in See stechen und alles aufschreiben, was er auf seiner Reise an Interessantem erlebt.“ Das tat er dann auch mit seiner Detailbesessenheit, seinem genauen Blick für Absurdes im Alltäglichen, seiner entlarvenden Charakterisierung von Mitreisenden und seinem Sezieren des Glücksversprechens der Reiseindustrie, kurz: in seiner brillanten Art und Weise. „Ein hinreißend komisches Buch“ schreibt der Verlag, „Ein grandioses Buch!“ sagt Harald Schmidt. „Ebenso klug wie brüllend komisch“, meint Der Standard. Ein berührendes Buch, denke ich.

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Adorno wünscht sich einen Pelzmantel für seine Frau

Adorno und seine Frankfurter Verleger. Der Briefwechsel zwischen Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld

Lieber sehr verehrter Herr Professor Adorno,

gerade habe ich Ihren Briefwechsel mit Ihren Frankfurter Verlegern Suhrkamp und dann Unseld gelesen. Wären Sie nicht schon tot, hätte ich Ihnen fast diesen Brief geschrieben:

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…in dieser scheußlichen Zeit

“Wir dürfen uns nicht umwerfen lassen

gerade jetzt nicht

in dieser scheußlichen Zeit

nach einer Pause

Vielleicht ist sie gar nicht so scheußlich

Auf die Virtuosität kommt es an

auf den Charakter

Wenn wir uns zum Narren machen lassen

sind wir verloren

Wie ich diese Dienstage hasse”

aus: Thomas Bernhard: Der Schein trügt
in: Spectaculum 39, 1984, Suhrkamp Verlag

 

Ja wann denn?

Die Suche nach dem nächsten Buch – Das unbekannte Unbekannte

Warum gehen Sie in einen Buchladen? Wahrscheinlich, um ein Buch zu kaufen. Aber was für ein Buch? Eins nach dem Sie gezielt suchen? Oder sind Sie auf der Suche nach einer Überraschung, hoffend, dass Sie ein Buch finden, von dem Sie gar nicht wussten, dass es existiert und Sie interessiert?

Der ehemalige Angriffskrieger US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wusste um die Bedeutung des unbekannten Unbekannten:

„Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Es gibt bekannte Unbekannte. Das sind Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen. Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte. Es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.“

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Holzfällen. Eine Erregung von Thomas Bernhard

Wer ist dieser Typ, der beim künstlerischen Abendessen der Eheleute Auersberger im Ohrensessel sitzt und diesen Monolog mit sich selber führt?

Warum ist die Eingangsszene auf dem Wiener Graben so furios? Wie funktioniert dieser Sprachrhythmus, der die Szene so treibend macht?

Warum sitzt er stundenlang in diesem Ohrensessel, obwohl er alle Gäste des künstlerischen Abendessens verachtet und hasst?

Warum hat mein anderthalbjähriger Sohn kein anderes Buch so oft aus dem Bücherregal gezogen wie dieses?

(c) Suhrkamp Verlag

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Print – Ein Plädoyer für Slow Media

Ist es ein Buch, ist ein Magazin? Nennen wir es ein Magabu oder Bugazin.  Print – Ein Plädoyer für Slow Media ist auf jeden Fall ein sehr ansprechend gemachtes Printprodukt.

Das Thema Slow Media, und verbunden damit das neue Trendthema Entschleunigung, passt vermeintlich in unsere Zeit. Wir  fühlen, dass durch die Omnipräsenz digitaler Medien zwar die Hoffnungen auf noch mehr Informationen immer und überall  und auf mehr Bequemlichkeit wahr geworden sind. Gleichzeitig aber entwickelt sich offenbar eine Gegenbewegung. Anscheinend spüren wir, dass das Versprechen digitaler Medien auch Nachteile mit sich bringt – Informationsüberfluss, Datenschutzsorgen, Überforderung, Aufmerksamkeitsspannenreduktion, Unbehagen, Nervosität.

Gut, dagegen kann man etwas tun, zum Beispiel Malbücher ausmalen. Ein erstaunlich boomender Markt. Die deutsche Bleistiftindustrie meldet einen derart gestiegenen Absatz an Farbstiften, dass Produktionskapazitäten ausgelastet sind und ausgebaut werden müssen, sogar Nacht- und Wochenendschichten sind nötig, um die Bilderbuchausmaler mit Stiften zu versorgen. So sorgt also die digitale Industrie dafür, dass eine der ältesten analogen Industrien einen wahren Aufschwung erlebt. Wer hätte das gedacht?

Wem Ausmalen zu doof/kindisch/anstrengend  ist, der kann noch etwas anderes tun, um sein Leben zu entschleunigen:  gedruckte Medien wiederentdecken. Gut also, dass es zu diesem Thema nun auch ein sehr schön und aufwändig produziertes gedrucktes Medium gibt. Wie aufwändig, erfährt man auf der letzten Seite:

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Hundt – Hammer – Stein

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Auf der Alten Schönhauser Straße in Berlin, an der Schnittstelle zwischen Mitte und Prenzlauer Berg, gibt es viele schöne Lifestyleläden, die man nicht braucht. Aber mit Hundt – Hammer – Stein gibt es auch eine kleine feine Buchhandlung.

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Über die Freiheit des Lebens

Sarah Bakewell: At the Existenzialist Café

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Einige der 40.000 Seiten oder so, die Sartre schrieb

Manchmal findet man genau das richtige Buch zur rechten Zeit. Dieses Buch über den Existenzialismus war es für mich. Wie man so ein richtiges Buch für die rechte Zeit findet, kann man Intuition nennen oder Vorahnung oder Bauchgefühl, vielleicht aber einfach auch nur Glück.

Es gibt ja Momente im Leben, die einen plötzlichen tiefen Bruch bedeuten. Einen Moment, in dem sich das gewohnte Leben von jetzt auf gleich grundsätzlich ändert. Ändert durch etwas, das passiert, ohne dass man Kontrolle darüber hat. Meist ist der Auslöser sehr negativer Art. Ein existenzieller Realitätseinbruch also.

Ein Moment, der aber trotz Wut, Schmerz, Hoffnungslosigkeit, Angst auch Freiheit bedeutet. Freiheit in dem Sinne, dass man ja nach wie vor frei ist, Entscheidungen über sein Leben zu treffen für deren Konsequenzen man einstehen muss. Das ist zwar etwas vor dem man eigentlich immer steht, jeden Tag, das ganze Leben – nur in solchen Zeiten existenzieller Wenden wird es einem bewusster. Zumindest wenn ein Buch wie dieses einen durch den Moment des Umbruchs begleitet und man wahrnimmt und versteht, dass sich plötzlich auch neue Perspektiven, neue Verstehenszugänge und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Man hat mehr freie Hand in seinem Leben als man denkt.
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Ein Solitär in der deutschen Gegenwartsliteratur – Peter Kurzeck

Eine  Erzählung ohne Schrift, frei erzählt.  Nicht viele Autoren können so Literatur produzieren. Peter Kurzeck konnte es und schuf so ein Werk, das seinesgleichen sucht. Romane in Schrift hat er auch veröffentlicht. Aber es ist wohl besonders sein freies Erzählen, das ihn einmalig machte.

Seine Stimme, der Fluß seiner Erzählung, der einen erst staunend, dann fasziniert, dann begeistert zuhören lässt, dieses Gefühl, er würde bei einem zuhause auf der Couch sitzen und locker doch präzise aus seinem Leben erzählen, das entfaltet einen Reiz, dem man sich nur schwer entziehen kann.

In diesem Ausschnitt seiner Erzählung “Unerwartet Marseille” erzählt er lakonisch über seinen Beginn als Schriftsteller.

Peter Kurzeck, Jörg Döring (Hg.)
Unerwartet Marseille, Peter Kurzeck erzählt

2012, Stroemfeld Verlag
ISBN: 978-3-86600-007-0
2 Audio-CDs, Regie: Jörg Döring
19,80€

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