Monat: Januar 2016

Eine sexuell provozierende Kurzgeschichte

A sexually provocative short story – Ambika Thompson

Eine Frage: Haben Sie diesen Artikel wegen des interessanten Titels angeklickt? Ich verstehe das.

Noch eine Frage: Interessieren Sie sich für Kurzgeschichten? Ich eher weniger. Wohl eine unbeabsichtigte Folge langweiliger und konfuser erzwungener Beschäftigung mit Kurzgeschichten damals im Deutschunterricht.

Ich mag keine Geschichten, in denen Katzen im Regen angeblich irgendwelche Eheprobleme repräsentieren. Ich mag keine Allegorien und Symbole. Ich mag seit dem auch keine Kurzgeschichten mehr.

Aber diese Geschichte von Ambika Thompson, eine der tatsächlich vielen in Berlin lebenden englischsprachigen AutorInnen,  über das hässliche flachbrüstige Mädchen und den attraktiven Jungen mit den gigantischen Eiern hat mich überraschend überrascht, überraschend verwirrt und überraschend fasziniert. Und lachen konnte ich auch noch.

„The ugly girl with the flat chest and the attractive boy with the gigantic testicles kissed for the first time on the quiet street in the late hours of a fall moonlit night“.

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André Gide: Der Griesgram – Ein Hirnkampf

 

Linke Hirnhälfte                                           vs.                              Rechte Hirnhälfte
Wir müssen endlich mal diesen Artikel über ‚Der Griesgram‘ von André Gide schreiben! Da denken wir doch schon ewig drüber nach.
Ja, ich weiß. Aber so einfach ist das nicht.
Natürlich ist das einfach. Aber Du willst natürlich wieder etwas Besonderes daraus machen. Bleib doch mal einfach bei den Fakten und mach Dir nicht so einen Kopf.
Du bist gut. Einfach! Mach‘s doch selbst. Aber ohne mich kriegst Du das auch nicht hin.
Ok, ok. Ich würde ja als Einstieg einfach mal den Klappentext zitieren. Der beschreibt doch kurz und knackig worum es geht.
Das wäre aber doch sehr einfach, oder nicht? Und dürfen wir das überhaupt?
Mann, Du hast doch schon die Erlaubnis vom Matthes & Seitz Verlags bekommen, das Cover zu nutzen. Da kannst Du auch den Klappentext übernehmen. Haben die bestimmt nichts gegen. Also, auf geht’s, jetzt mal als Beginn:

„Ein Griesgram, der namenlose Protagonist dieses abgründigen ‚äußeren Monologs‘, stellt in wütenden Tiraden die abgeschmackte Belanglosigkeit dieser Welt bloß, der sich Frau und Kinder, der einzige Freund, überhaupt die ganze Menschheit längst ergeben haben. Doch seine Überheblichkeit befreit ihn nicht, vielmehr zwingt sie ihn immer wieder zurück ins enge gesellschaftliche Korsett.

Gides zynische Geschichte, in der sich sein Protagonist gehörig verrechnet, ist das verschrobene Protokoll einer griesgrämigen Implosion und einer tödlichen Explosion, fabelhaft in Szene gesetzt von Nanne Meyer.“

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Adorno wünscht sich einen Pelzmantel für seine Frau

Adorno und seine Frankfurter Verleger. Der Briefwechsel zwischen Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld

Lieber sehr verehrter Herr Professor Adorno,

gerade habe ich Ihren Briefwechsel mit Ihren Frankfurter Verlegern Suhrkamp und dann Unseld gelesen. Wären Sie nicht schon tot, hätte ich Ihnen fast diesen Brief geschrieben:

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modenliteraturen

nicht sein

kulturenliteraturen

(Ernst Jandl)

Endlich! Die Formel für ein gutes Buch ist gefunden

Mathematiker, Literaturwissenschaftler, Philosophen und Bücherblogger haben nun endlich die Formel gefunden, die beschreibt, was ein gutes Buch ausmacht.

Das Ergebnis:

 1+2+3+n = Lesevergnügen

q.e.d.

Wobei:

1= Selbsterkennung
2= Welterkennung
3= Kunsterkennung

n ist natürlich die Unbekannte, die Sie in diesem Fall auch selber bestimmen können.

Holzfällen. Eine Erregung von Thomas Bernhard

Wer ist dieser Typ, der beim künstlerischen Abendessen der Eheleute Auersberger im Ohrensessel sitzt und diesen Monolog mit sich selber führt?

Warum ist die Eingangsszene auf dem Wiener Graben so furios? Wie funktioniert dieser Sprachrhythmus, der die Szene so treibend macht?

Warum sitzt er stundenlang in diesem Ohrensessel, obwohl er alle Gäste des künstlerischen Abendessens verachtet und hasst?

Warum hat mein anderthalbjähriger Sohn kein anderes Buch so oft aus dem Bücherregal gezogen wie dieses?

(c) Suhrkamp Verlag

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Die Suche nach dem nächsten Buch – Das unbekannte Unbekannte

Warum gehen Sie in einen Buchladen? Wahrscheinlich, um ein Buch zu kaufen. Aber was für ein Buch? Eins nach dem Sie gezielt suchen? Oder sind Sie auf der Suche nach einer Überraschung, hoffend, dass Sie ein Buch finden, von dem Sie gar nicht wussten, dass es existiert und Sie interessiert?

Der ehemalige Angriffskrieger US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wusste um die Bedeutung des unbekannten Unbekannten:

„Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Es gibt bekannte Unbekannte. Das sind Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen. Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte. Es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.“

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David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

Worum geht es?

Aus dem Klappentext∗: „Eine siebentägige Luxuskreuzfahrt in der Karibik – David Foster Wallace scheint das große Los gezogen zu haben. Im Auftrag von Harper’s Magazine soll er mit der grandiosen ‚Zenith‘ von Key West aus in See stechen und alles aufschreiben, was er auf seiner Reise an Interessantem erlebt.“ Das tat er dann auch mit seiner Detailbesessenheit, seinem genauen Blick für Absurdes im Alltäglichen, seiner entlarvenden Charakterisierung von Mitreisenden und seinem Sezieren des Glücksversprechens der Reiseindustrie, kurz: in seiner brillanten Art und Weise. „Ein hinreißend komisches Buch“ schreibt der Verlag, „Ein grandioses Buch!“ sagt Harald Schmidt. „Ebenso klug wie brüllend komisch“, meint Der Standard. Ein berührendes Buch, denke ich.

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Fritz J. Raddatz – Liebeserklärung eines Linksträgers. Oder: Wie man auch mit Büchern als extended re-release Kasse machen kann.

Wenn das kein gutes Timing des alten Medienprofis war. Einen Tag vor der Veröffentlichung seines letzten Buches im Februar 2015, nahm sich Fritz J. Raddatz in der Schweiz im Alter von 83 Jahren das Leben. Und so erlebte seine Erinnerung an die Jahre mit Ledig beim Rowohlt-Verlag in kürzester Zeit die fünfte Auflage.

Gespannt war ich auf diese Schilderung seiner Zeit als stellvertretender Leiter des Rowohlt-Verlags und seine Zusammenarbeit mit dem schillernden Rowohlt-Erben Heinrich Maria Ledig-Rowohlt. Gefreut habe ich mich, als ich das schön gestaltete Buch mit seinem grünen Leinenumschlag aus dem Briefumschlag zog. Enttäuscht war ich, als ich es am nächsten Tag ausgelesen zuklappte. Da hatte ich mehr erwartet. Das war mein Fehler.

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Literarische Sackgassen – ein Geständnis

Kennen Sie das? Sie nehmen sich ein Buch vor, meist ist es eine dicke Schwarte, sei es aus eigenem Interesse, auf Grund einer Empfehlung eines Buchblogs oder gar durch bildungsbürgerlichen Druck eines mehr oder wenig offiziellen Literaturkanons. Sie sind motiviert, neugierig, beflissen und beginnen zu lesen.

Doch bald schon müssen Sie sich eingestehen, dass mit jeder weiteren Seite, die Sie umblättern, die Lust am Weiterlesen schwindet. Ihnen wird klar, dass Sie dieses Werk niemals auslesen werden.  Sie stecken in einer literarischen Sackgasse fest.
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