Autor: Robert (Seite 1 von 2)

Print – Ein Plädoyer für Slow Media

Ist es ein Buch, ist ein Magazin? Nennen wir es ein Magabu oder Bugazin.  Print – Ein Plädoyer für Slow Media ist auf jeden Fall ein sehr ansprechend gemachtes Printprodukt.

Das Thema Slow Media, und verbunden damit das neue Trendthema Entschleunigung, passt vermeintlich in unsere Zeit. Wir  fühlen, dass durch die Omnipräsenz digitaler Medien zwar die Hoffnungen auf noch mehr Informationen immer und überall  und auf mehr Bequemlichkeit wahr geworden sind. Gleichzeitig aber entwickelt sich offenbar eine Gegenbewegung. Anscheinend spüren wir, dass das Versprechen digitaler Medien auch Nachteile mit sich bringt – Informationsüberfluss, Datenschutzsorgen, Überforderung, Aufmerksamkeitsspannenreduktion, Unbehagen, Nervosität.

Gut, dagegen kann man etwas tun, zum Beispiel Malbücher ausmalen. Ein erstaunlich boomender Markt. Die deutsche Bleistiftindustrie meldet einen derart gestiegenen Absatz an Farbstiften, dass Produktionskapazitäten ausgelastet sind und ausgebaut werden müssen, sogar Nacht- und Wochenendschichten sind nötig, um die Bilderbuchausmaler mit Stiften zu versorgen. So sorgt also die digitale Industrie dafür, dass eine der ältesten analogen Industrien einen wahren Aufschwung erlebt. Wer hätte das gedacht?

Wem Ausmalen zu doof/kindisch/anstrengend  ist, der kann noch etwas anderes tun, um sein Leben zu entschleunigen:  gedruckte Medien wiederentdecken. Gut also, dass es zu diesem Thema nun auch ein sehr schön und aufwändig produziertes gedrucktes Medium gibt. Wie aufwändig, erfährt man auf der letzten Seite:

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Abstimmen für Berliner Büchertisch!

Der Berliner Rundfunk 91,4 verlost 50.000 Euro für gemeinnützige Organisationen in Berlin. Eine der Organisationen, die sich um das Geld bewerben, ist der Berliner Büchertisch e.V.

Warum der Berliner Büchertisch Geld bekommen sollte?

Damit sich noch mehr Berliner Kinder und Erwachsene das Lesen leisten können!

“Wir möchte noch mehr Berliner Kindern und Jugendlichen die Freude des Lesens nahe bringen. Wir möchten, dass jedes Kind, unabhängig von der Einkommenssituation seiner Eltern, eigene Bücher zuhause haben kann, die es tausend Mal lesen, innig lieben und weiter verschenken kann. Wir geben deshalb in unseren drei Buchläden jedem Kind die Möglichkeit, sich jeden Tag ein Kinderbuch auszusuchen und kostenfrei mitzunehmen. Für Kinder in Berliner Randbezirken haben wir außerdem die “Berliner Büchertaube” gestartet, ein Lesestipendium, bei dem die Kinder jeden Monat ein Überraschungsbuch von uns nach Hause geschickt bekommen.

“Kein Faktor dominiert den späteren Erfolg im Leben eines Menschen stärker als die Frage, ob die Eltern Bücher zu Hause haben oder nicht. Wo Bücher im Haus sind, herrscht ein ganz anderer Anspruch, über die Welt nachzudenken.”

Hans-Georg Häusel, Hirnforscher

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Hundt – Hammer – Stein

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Auf der Alten Schönhauser Straße in Berlin, an der Schnittstelle zwischen Mitte und Prenzlauer Berg, gibt es viele schöne Lifestyleläden, die man nicht braucht. Aber mit Hundt – Hammer – Stein gibt es auch eine kleine feine Buchhandlung.

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Über die Freiheit des Lebens

Sarah Bakewell: At the Existenzialist Café

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Einige der 40.000 Seiten oder so, die Sartre schrieb

Manchmal findet man genau das richtige Buch zur rechten Zeit. Dieses Buch über den Existenzialismus war es für mich. Wie man so ein richtiges Buch für die rechte Zeit findet, kann man Intuition nennen oder Vorahnung oder Bauchgefühl, vielleicht aber einfach auch nur Glück.

Es gibt ja Momente im Leben, die einen plötzlichen tiefen Bruch bedeuten. Einen Moment, in dem sich das gewohnte Leben von jetzt auf gleich grundsätzlich ändert. Ändert durch etwas, das passiert, ohne dass man Kontrolle darüber hat. Meist ist der Auslöser sehr negativer Art. Ein existenzieller Realitätseinbruch also.

Ein Moment, der aber trotz Wut, Schmerz, Hoffnungslosigkeit, Angst auch Freiheit bedeutet. Freiheit in dem Sinne, dass man ja nach wie vor frei ist, Entscheidungen über sein Leben zu treffen für deren Konsequenzen man einstehen muss. Das ist zwar etwas vor dem man eigentlich immer steht, jeden Tag, das ganze Leben – nur in solchen Zeiten existenzieller Wenden wird es einem bewusster. Zumindest wenn ein Buch wie dieses einen durch den Moment des Umbruchs begleitet und man wahrnimmt und versteht, dass sich plötzlich auch neue Perspektiven, neue Verstehenszugänge und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Man hat mehr freie Hand in seinem Leben als man denkt.
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Eins hilft immer: Lesen.

Stimmt

Stimmt

Das Potential des Schemenhaften

Martin Heidegger: Was heißt Denken?

Es gibt Bücher, die versteht man nicht, aber dennoch  geht von ihnen etwas aus, das einen intellektuell und gefühlsmäßig anmacht. Martin Heidegers Auseinandersetzung mit dem, was und wie wir denken wenn wir denken, ist so ein Buch.

Wie kann man sich das vorstellen? Vielleicht als schaute ich durch ein beschlagenes Fenster. Ich sehe also nur undeutliche Umrisse in verwaschenen Farben dessen auf das ich blicke. Ich komme aber nicht nah genug an die Scheibe heran, um den Beschlag wegzuwischen. Trotzdem schaue ich weiter durch das Fenster. Manche Umrisse scheine ich zu erkennen, andere kann ich erahnen, und wieder andere regen meine Vorstellung an. Vielleicht ist es also bereichernder als wäre die Sicht klar. Klare Sicht kann auch enttäuschend sein und man wendet sich rasch ab. Um irgendetwas dringlicher scheinendes, wahrscheinlich aber doch unbefriedigenderes, zu tun. Nein, dann lieber mal das Unscharfe, Ungenaue aushalten und genießen, seine Gedanken treiben lassen und Freude an dem haben, was sich ergibt. Heideggers Frage „Was heißt denken?“ ist so ein Werk mit diesem Potential des Schemenhaften.

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Ja wann denn?

Ein Solitär in der deutschen Gegenwartsliteratur – Peter Kurzeck

Eine  Erzählung ohne Schrift, frei erzählt.  Nicht viele Autoren können so Literatur produzieren. Peter Kurzeck konnte es und schuf so ein Werk, das seinesgleichen sucht. Romane in Schrift hat er auch veröffentlicht. Aber es ist wohl besonders sein freies Erzählen, das ihn einmalig machte.

Seine Stimme, der Fluß seiner Erzählung, der einen erst staunend, dann fasziniert, dann begeistert zuhören lässt, dieses Gefühl, er würde bei einem zuhause auf der Couch sitzen und locker doch präzise aus seinem Leben erzählen, das entfaltet einen Reiz, dem man sich nur schwer entziehen kann.

In diesem Ausschnitt seiner Erzählung “Unerwartet Marseille” erzählt er lakonisch über seinen Beginn als Schriftsteller.

Peter Kurzeck, Jörg Döring (Hg.)
Unerwartet Marseille, Peter Kurzeck erzählt

2012, Stroemfeld Verlag
ISBN: 978-3-86600-007-0
2 Audio-CDs, Regie: Jörg Döring
19,80€

…in dieser scheußlichen Zeit

“Wir dürfen uns nicht umwerfen lassen

gerade jetzt nicht

in dieser scheußlichen Zeit

nach einer Pause

Vielleicht ist sie gar nicht so scheußlich

Auf die Virtuosität kommt es an

auf den Charakter

Wenn wir uns zum Narren machen lassen

sind wir verloren

Wie ich diese Dienstage hasse”

aus: Thomas Bernhard: Der Schein trügt
in: Spectaculum 39, 1984, Suhrkamp Verlag

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Eine sexuell provozierende Kurzgeschichte

A sexually provocative short story – Ambika Thompson

Eine Frage: Haben Sie diesen Artikel wegen des interessanten Titels angeklickt? Ich verstehe das.

Noch eine Frage: Interessieren Sie sich für Kurzgeschichten? Ich eher weniger. Wohl eine unbeabsichtigte Folge langweiliger und konfuser erzwungener Beschäftigung mit Kurzgeschichten damals im Deutschunterricht.

Ich mag keine Geschichten, in denen Katzen im Regen angeblich irgendwelche Eheprobleme repräsentieren. Ich mag keine Allegorien und Symbole. Ich mag seit dem auch keine Kurzgeschichten mehr.

Aber diese Geschichte von Ambika Thompson, eine der tatsächlich vielen in Berlin lebenden englischsprachigen AutorInnen,  über das hässliche flachbrüstige Mädchen und den attraktiven Jungen mit den gigantischen Eiern hat mich überraschend überrascht, überraschend verwirrt und überraschend fasziniert. Und lachen konnte ich auch noch.

„The ugly girl with the flat chest and the attractive boy with the gigantic testicles kissed for the first time on the quiet street in the late hours of a fall moonlit night“.

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