Literarische Sackgassen – ein Geständnis

Kennen Sie das? Sie nehmen sich ein Buch vor, meist ist es eine dicke Schwarte, sei es aus eigenem Interesse, auf Grund einer Empfehlung eines Buchblogs oder gar durch bildungsbürgerlichen Druck eines mehr oder wenig offiziellen Literaturkanons. Sie sind motiviert, neugierig, beflissen und beginnen zu lesen.

Doch bald schon müssen Sie sich eingestehen, dass mit jeder weiteren Seite, die Sie umblättern, die Lust am Weiterlesen schwindet. Ihnen wird klar, dass Sie dieses Werk niemals auslesen werden.  Sie stecken in einer literarischen Sackgasse fest.

Getroffen in Ihrem Stolz packt Sie vielleicht nach Jahren nochmals der Ehrgeiz. Diesmal nehmen Sie sich vor, das Buch aber wirklich auszulesen. Nur um dann, meist an derselben Stelle wie beim ersten Versuch, das Buch doch wieder zunächst auf den Nachttischbücherstapel zu legen, sich einfachere, zumindest dünnere, Kost vorzunehmen und schließlich das Werk mit einem resignierten Seufzer zurück ins Bücherregal zu stellen. Sie wissen nun, dass Sie das Ding nie im Leben lesen werden. Aber wenigstens macht es sich gut im Regal und beeindruckt vielleicht den einen oder anderen Gast, dem es ähnlich ging. Dem können Sie dann vorspielen, dass Sie das Buch natürlich,  mit Genuss sogar, verschlungen haben.

Doch schämen Sie sich nicht. Sie sind nicht alleine. In aufopferungsvoller Selbstentblößung habe ich hier eine Liste mit meinen literarischen Sackgassen begonnen. Aber um meine Reputation nicht zu sehr zu ramponieren, muss ich, durchaus auch mit einem gewissen Grad an lächerlichem Stolz, doch erwähnen, dass ich wenigstens Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften ausgelesen habe, zum Teil sogar gerne.

Stehen Sie zu Ihren literarischen Sackgassen und teilen Sie, an welchen Büchern Sie gescheitert sind. Geteiltes Leid ist halbes Leid, besonders wenn es öffentlich geschieht.

Hier nun meine vorläufige Liste, in keiner besonderen Reihenfolge:

  • Don Quijote von Miguel de Cervantes
  • Ulysses von James Joyce
  • Der Zauberberg von Thomas Mann
  • Die Blechtrommel von Günter Grass
  • Krieg und Frieden von Leo Tolstoi
  • Schuld und Sühne von Fjodor Dostojewski
  • Alles von Kant
  • Die Bibel von Gott

5 Kommentare

  1. Betroffen stelle ich fest, dass mindestens der Zauberberg und Ulysses trotz großen Eifers ebenfalls nur halb von mir gelesen wurden.
    Schuld und Sühne dagegen las ich (in neuer Übersetzung) sogar begeistert mehrfach.

  2. …ach ja, es gibt da auch noch: Goethes “Faust, der Tragödie 2. Teil” und..
    da ist die ZEIT-Bibliothek der 100 wichtigsten Bücher –
    #(https://de.wikipedia.org/wiki/ZEIT-Bibliothek_der_100_B%C3%BCcher)#
    und, und, und… eine Leselücke von deprimierender Dimension tut sich auf. Was ist zu tun?
    Sollten wir die heutigen Autoren bitten, bitte keine wichtigen Bücher mehr zu schreiben? Sie werden es natürlich nicht tun, sondern sich weiter bemühen, richtig wichtige Bücher zu schreiben. Und das ist auch gut so.
    Aber der kleine Bücherwurm nimmt sich vielleicht einfach das Recht, auch nicht ganz so wichtige Bücher zu lesen, so sie ihm Spaß bereiten… Auf geht’s!

    • Robert

      15. Januar 2016 at 20:40

      Da haben Sie vollkommen Recht.
      Den alten Goethe und auch den Schiller habe ich völlig vergessen, in meine Liste aufzunehmen. Das ist aber nicht meine Schuld. Ich habe mein Abi in NRW gemacht. Da musste ich nie etwas von den beiden lesen. Unsere Lehrer hatten es mehr mit Kafka und Brecht.

  3. Die göttliche Komödie von Dante Alighieri

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